Die Umwelt


Ein Artikel von Günther Ruffert, Thailand

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Thais sind sehr auf körperliche Sauberkeit bedacht. Jeder ordentliche Thai duscht sich mindestens einmal am Tage gründlich vor dem Schlafengehen. Wenig Verständnis haben die Thais deshalb für die Farang-Rucksacktouristen, die mit schmutzigen Sachen durch die Gegend reisen und manchmal, da sie eben viel mehr schwitzen als die Thais, wie die Iltisse stinken, wenn man neben ihnen im Bus sitzt.

So sehr aber die Thais auf alles achten, was mit körperlicher Sauberkeit zu tun hat, sowenig sind sie darauf bedacht, auch ihre Umgebung sauber zu halten oder so etwas wie Umweltbewußtsein zu entwickeln. So fliegt z.B. alles Verpackungsmaterial kurzerhand aus dem Fenster und dabei summiert sich eine ganze Menge an Abfall, da in Thai-Geschäften jedes Bonbon zweimal eingewickelt wird, bevor es in eine Plastiktüte kommt. Auch leere Konservendosen, alte Batterien, gebrauchte Reifen u.s.w. werden einfach in die Prärie geworfen, wenn sie ausgedient haben. Der Müll wird irgendwo hingepackt, in der Hoffnung, daß Ratten und Regen sich schon darum kümmern werden.

Vor allem unter den - wegen der vielen für Bangkok typischen überschwemmungen auf Stelzen gebauten - Hütten in den ärmeren Vierteln und Slums, sieht es oft aus, wie auf einer Müllkippe. Wenn dann in der Regenzeit die überflutung kommt und das Wasser manchmal wochenlang einen halben Meter hoch unter den Hütten steht, kann man sich vorstellen, welche Duftwolken und Mückenschwärme bei Tagestemperaturen um 40 Grad Celsius aus dieser Brühe entsteigen.

Auch in den paar noch offenen Kanälen in Bangkok - die Stadt wurde wegen ihrer vielen Wasserwege früher auch das Venedig des Ostens genannt - schwappt heute nur noch eine schwarze, stinkende Brühe und man sich wundert sich, daß sie überhaupt noch fließen kann.
Die Klongs - in bunten Reisebroschüren noch immer als Touristen-Attraktion verklärt - sind weitgehend zugeschüttet oder als stinkende Kloaken in Verruf geraten.

Absolut sorglos und sich der Langzeitgefahren nicht bewußt, wird auf dem Lande auch mit den Giftbrühen zur Bekämpfung der Pflanzenschädlinge umgegangen. Da die heute in den besser bewässerten Gebieten allgemein verwendeten und zwei Ernten pro Jahr ermöglichenden hochgezüchteten Naßreissorten sehr empfindlich gegen Schädlinge sind, wird in den paar Wachstumsmonaten mehrere Male Gift gespritzt. Das geht dann ungefähr so vor sich: Auf dem Land wird die Arbeit auf den Feldern immer in Nachbarschaftshilfe gemacht, so daß reihum jeder einmal drankommt. Morgens versammeln sich dann ca. 5 junge Leute, meist Mädchen, am Feldrand. In einem großen Kübel wird dann die Giftbrühe angerührt. Dabei handelt es sich zum Teil um Gifte, die bei und längst verboten sind, z.B. auf DDT - Basis. Dann werden die Rucksackkanister gefüllt, und anschließend schreitet die Gruppe in weiter Kette, das Gift aus Handspritzen auf die jungen Reispflanzen und sich gegenseitig um die Ohren versprühend, fröhlich schwätzend über das Feld. Als einziger Schutz dient, wenn überhaupt vorhanden, ein lose vor Mund und Nase gebundenes Tuch.

Daß wieder mal Gift gesprüht worden ist, merke ich immer daran, daß am nächsten Tag ein paar von den jungen Leuten bei mir antanzen, und mich um Aspirintabletten bitten, von denen ich immer einen gewaltigen Vorrat mit nach Thailand nehme, um ihre Kopfschmerzen und sonstiges Unwohlsein zu bekämpfen.

Ein Nachbar, dem ich nach solch einer Kampagne mal versucht habe klarzumachen, welche Langzeitschäden sich aus solch sorglosen Umgang mit den Giften und aus der übermäßigen Verwendung gefährlicher Insektizide für die Menschen ergeben können, hörte mir interessiert zu und sagte dann: "Das mag ja alles stimmen was du da erzählt hast, aber für die 10 - 20 % mehr Reis, die ich aus meinem Feld heraushole, weil mir die Käfer nicht die Pflanzen anfressen, nehme ich auch ein paar Tage Kopfschmerzen, oder ein paar tote Fische, die sowieso wieder nachwachsen, gerne in Kauf."

Ein weiteres Beispiel für die bedenkenlose Umweltverschmutzung ist die heute im Flußdelta um Bangkok ,bzw. überall dort wo ausreichend Wasser vorhanden ist, betriebene Langustenzucht. Vor ein paar Jahren fingen hier einige Bauern an ihre Felder in Teiche umzuwandeln, und statt Reis anzubauen Langusten zu züchten. Man kauft aus einem Zuchtbetrieb einige zigtausende fingernagelgroße Tierchen, setzt sie in dem künstlichen Teich aus, und füttert sie täglich mehrmals mit einem von den Zuchtbetrieben verkauften Spezialmehl. Wenn nach zwei bis drei Monaten die Winzlinge Fingerlänge erreicht haben, pumpt man den ganzen Teich durch Fangnetze aus. Die sich in den Netzen ansammelnden Langusten werden durch von Bangkok angereiste Aufkäufer übernommen, und zum größten Teil exportiert. Das für die ersten Züchter ganz einträgliche Geschäft, veranlaßte dann alle Bauern Teiche anzulegen, und sich auf die Langustenzucht zu verlegen; wo früher weite Reisfelder wogten, reiht sich heute Teich an Teich. Dies mit dem vorhersehbaren Erfolg, daß mit wachsendem Angebot die von den Aufkäufern gezahlten Preise immer weiter fielen, so daß sich oft die Zucht kaum noch lohnt. Es müssen ja nicht nur der Teich angelegt und die Setzlinge gekauft werden, sondern auch das Futter und verschiedene Chemikalien, die verhindern sollen, daß die ganze Brut krank wird und abstirbt. Das verlangt von jedem Züchter Investitionen von einigen hunderttausend Baht, für die meist Kredite aufgenommen werden müssen. Dazu einige Monate Arbeit, denn die Tierchen müssen Tag und Nacht gefüttert und versorgt werden. Wenn dann - was gar nicht selten geschieht - die ganze Brut eingeht, weil sich ein Virus eingeschlichen, oder der neidische Nachbar Gift in den Teich geschüttet hat, dann bleibt ein dickes Manko.

All das ist aber immer nur das Risiko für den Einzelnen. Was viel schwerer wiegt, ist die dadurch verursachte Umweltzerstörung. Das aus den Teichen bei der Langustenernte abgepumpte und mit den Ausscheidungen von zigtausenden Langusten, Chemikalien und Nahrungsresten verschmutzte Wasser, wird einfach wieder in den nächsten Klong gepumpt. Dies mit dem Erfolg, das sich zum Beispiel das an meinem Haus vorbeifließende und früher fischreiche Gewässer, in dem die Kinder badeten, inzwischen in eine stinkende Brühe verwandelt hat, in der kein Fisch mehr überleben, und kein Mensch mehr baden kann. Dafür ist die ganze Wasseroberfläche mit einem dichten Netz von Wasserpflanzen überwuchert, die in dem Schmutzwasser reichlich Nahrung finden, und den Bootsverkehr fast unmöglich machen.

Wenn sich die Langustenzucht eines Tages überhaupt nicht mehr lohnt, oder nicht mehr möglich ist, weil das dem Kanal entnommene Wasser inzwischen so verschmutzt ist, daß keine Langusten mehr darin leben können, wird es kaum möglich sein, alle diese Löcher wieder in ertragreiche Reisfelder umzuwandeln. Dann wird man plötzlich feststellen, daß man sich selbst den Ast abgesägt hat, auf dem man sitzt und in Zukunft sitzen muß, weil es dann keine andere Möglichkeit gibt den Lebensunterhalt zu verdienen als den Reisanbau, der Boden aber durch die Langustenzucht so verseucht ist, da[ keine vernünftige Reisernte mehr zu erzielen ist. Die Regierung hat inzwischen zwar das Anlegen von neuen Teichen verboten, aber wie üblich hält sich keiner daran, solange die Möglichkeit besteht, durch Nichtbeachtung der Verbote noch ein paar Baht zu verdienen. Das Problem sind vor allem die "Laisser-faire-Mentalität" der Thais und die offene Hand aller für Umweltschutzmaßnahmen zuständigen Behörden.

Umweltschutz ist nie ein Problem gewesen, dem von der Regierung besondere Bedeutung oder gar Priorität beigemessen worden wäre. Wenn von amtlichen Stellen von der Notwendigkeit gesprochen wird, etwas zum Schutz der Umwelt zu unternehmen, so handelt es sich in der Regel um leere Absichtserklärungen, denen keine Taten folgen. Wenn aber doch einmal eine Verordnung zum Schutz der Umwelt erlassen wird, dann erfolgt die Durchführung nach Thai-Weise.

Nachdem die einst reichen Wälder des Landes über Jahrzehnte rücksichtslos abgeholzt wurden, so daß es zu einer immer stärkeren Bodenkorrosion und zu katastrophalen Erdrutschen kam, wurde jeglicher Holzeinschlag grundsätzlich verboten. Mit dem Erfolg, daß nun einige Konzessionäre, die - gegen entsprechende Schmiergelder natürlich - weiterhin Wälder abholzen dürfen, und sich ebenso natürlich dabei an keinerlei Auflagen halten dabei ein Vermögen verdienen. Bauholz, früher der Grundbaustoff auf dem Lande, ist inzwischen unerschwinglich teuer geworden.

Hier ein typisches Beispiel dafür, wie in löblicher Absicht erlassene Gesetze in Thailand praktisch angewendet werden. Da es nach dem Gesetz einem Bauern verboten ist, einen Baum auf seinem eigenem Grundstück umzulegen, um mit dem Holz seinen Stall zu reparieren, muss er dies bei Nacht und Nebel tun, und - falls ihn die Polizei bei seinem ungesetzlichen Tun erwischt - eine für seine Verhältnisse hohe Strafe zahlen. Gleichzeitig werden in Bangkok an einflußreiche, bzw. entsprechende Bestechungsgelder zahlende Leute Konzessionen zur Aufforstung großer Areale vergeben. Um dieses löbliche Vorhaben durchzuführen, muss das Areal natürlich zuerst einmal von Krüppelholz gesäubert werden. Der Witz bei der Geschichte ist, daß man von Krüppelholz höchstens erst sprechen kann wenn die kräftigen Stämme fertig zum Abtransport am Boden liegen.

In den letzten Jahren ist es allerdings immer öfter zu Protestaktionen von Teilen der Bevölkerung gekommen, die sich durch Maßnahmen oder Unterlassungen der Regierung geschädigt oder ihrer Lebensgrundlagen beraubt sehen. Diese Proteste richten sich aber immer nur gegen die Auswirkungen einer verfehlten Umweltpolitik, soweit sie die eigenen Lebensverhältnisse betreffen. Von Bestrebungen das Umweltbewußtsein grundsätzlich zu fördern, oder gar den Umweltschutz eine hohe politische Priorität einzuräumen, wie es bei uns im Westen durch die Grünen geschieht, ist in Thailand nichts zu sehen.



© 2001, Günther Ruffert

Dieser Beitrag erschien im Original bei www.Thaifrau.de

Ruffert

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