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Ehe und Familie

Von Günther Ruffert, Thailand

Ein Artikel aus dem Buch "Geschichten aus Thailand" von Günther Ruffert, Thailand

Auch in Thailand ist es erforderlich, daß sich Mann und Frau zusammentun, um eine Familie zu gründen und Kinder zu zeugen. Und in der Regel wird neben der rein biologischen Anziehung, also der Freude am Sex, auch das dabei sein, was man allgemein mit dem vieldeutigen Begriff Liebe bezeichnet. Zwar gibt es in Thailand die gesetzliche Ehe, die amtlich registriert wird, und bei der beide Partner gesetzlich definierte Rechte und Pflichten übernehmen, und sie ggf. auch einklagen können. Diese förmliche, gesetzliche Eheschließung wird auf dem Lande aber praktisch nicht praktiziert. In der Regel zieht man einfach zusammen, eventuell noch mit dem elterlichen und priesterlichen Segen versehen. Zwar ist eine aufwendige Hochzeitsfeier von der Seite der Eltern immer erwünscht, um die Eheschließung vor dem gesamten Dorf zu dokumentieren. Es genügt aber auch ein gemeinsames Zusammenleben über einen längeren Zeitraum, und das Vorhandensein gemeinsamer Kinder, um in der Gesellschaft als verheiratet zu gelten.

Falls aber die Ehe wirklich offiziell geschlossen und bei der Ortsbehörde in ein Register eingetragen wird, so gilt auch in Thailand seit 1932 gesetzlich die Einehe. Da sich althergebrachte gesellschaftliche Gewohnheiten aber nicht so schnell ändern lassen wie Gesetze, heißt das in der Praxis, daß der wohlhabendere Mann sich eine Hauptfrau (mit Lizenz), und eine oder mehrere Nebenfrauen hält. Da aber nur die Hauptfrau gesetzliche Ansprüche hat, kann er die Nebenfrau und ihre Kinder jederzeit verlassen wenn ihm danach ist, ohne daß diese irgendwelche Versorgungsansprüche haben oder gesetzlich einklagen könnten. Die neuen Ehegesetze haben im Prinzip also für die Frauen wenig Besserstellung gebracht. Auch ist Bigamie nach Thai-Gesetzen zwar nicht erlaubt, aber auch nicht strafbar wie in Deutschland. Wer also, obwohl er schon eine gesetzlich angetraute Ehefrau besitzt, noch einmal gesetzlich heiratet, und dabei angibt noch nicht verheiratet zu sein, hat lediglich durch die falschen Angaben eine Ordnungswidrigkeit begangen und riskiert, falls die Geschichte auffliegt, lediglich eine Ordnungsstrafe, in der Regel eine Geldstrafe. Allerdings wird dann die zweite Ehe ungültig sein. Für junge Frauen vom Lande ist das Verhältnis mit einem verheirateten Mann oft die einzige Chance der trostlosen Armut zu Hause zu entkommen. Dabei braucht das nicht immer ein Thai-Mann zu sein; auch Europäer sind hier willkommen. Hiermit ist keineswegs ein gesellschaftlicher Makel verbunden, da im Gegensatz zu uns, die Ehe mit mehreren Frauen in Siam über Jahrhunderte durchaus die Regel war.

Eine Nebenfrau, "mia noi" genannt, zu haben, ist in Thailand also auch heute noch üblich., und gilt in wohlhabenderen Kreisen als Statussymbol. Aber auch hier sind bestimmte Regeln einzuhalten. Ein Thai Sprichwort sagt: Die "mia luang" (Hauptfrau) ist wie die Buddha-Figur auf dem Hausaltar. Sie muß in Respekt gehalten und entsprechend unterhalten werden. Die "mia noi" ist wie das Buddha-Amulett, das man immer auf der Brust trägt. Sie bringt Glück und Wohlbefinden und muß deshalb natürlich auch gut unterhalten werden (wofür sie allerdings in der Regel schon selber sorgen wird).

Da die gesetzliche Ehe in Thailand auch heute noch die Ausnahme ist und nur in besseren Kreisen und in den Städten praktiziert wird, liegt es, wenn einmal Kinder da sind und die sexuelle Anziehung nachläßt, ganz im Belieben des Mannes, wie er seine Familie versorgt oder ob er gar, wie es sehr häufig der Fall ist, Frau und Kinder einfach sitzen läßt und sich eine neue Frau nimmt. Die thailändische Frau hat also gegenüber ihrem Mann und dem Vater ihrer Kinder keinerlei gesetzlich durchsetzbaren Versorgungsansprüche, zumindest wenn sie nicht gesetzlich verheiratet ist. Sie muß von Anfang an um ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder kämpfen. Weil das aber schon immer so war, und weil das junge Mädchen es von seinen Eltern und älteren Schwestern nicht anders kennt, ist es darauf auch eingestellt und dazu in der Lage.

Wer also der Meinung ist, daß die Thai-Frau in der Ehe sanft und unterwürfig ist, der irrt sich. Eine Thai-Frau, vor allem wenn sie nicht durch einen Ehevertrag abgesichert ist, weiß, daß Goldketten und evt. auch Geld auf ihrem Sparbuch weit angenehmer und beruhigender sind, als das was der Mann ihr an Zärtlichkeit und Liebessprüchen zu bieten hat und sie richtet sich in jeder festen Bindung von Anfang an darauf ein.

Sie kann sehr lieb und anschmiegsam sein, vor allem wenn sie etwas von ihrem Mann haben will. Sie kann aber auch hart fordern und zum nervtötenden Biest werden, wenn sie nicht bekommt, worauf sie Anspruch zu haben glaubt. Dazu muß man sich aber klar machen, daß die Thai-Frau eben darauf eingestellt ist, nicht nur das für den täglichen Lebensunterhalt der Familie Erforderliche ihrem Mann abzuverlangen, sondern daß sie, mangels durchsetzbarer Versorgungsansprüche, auch möglichst viel materielle Sicherheit für sich und die Kinder für die Zeit anzusammeln sucht, in der er sie später eventuell verläßt.

Daher das dauernde Verlangen nach den für Thailand typischen Goldketten aus massivem 23 karätigem Gold. Je mehr davon, desto besser. Gold ist in Thailand gleich Geld. Das massive Schmuckgold der Halsketten und Armbänder kann buchstäblich an jeder Straßenecke mit geringem Abschlag wieder zu Geld gemacht werden, wenn es die Not erfordert. Außerdem kann es natürlich sichtbar getragen werden. Vor allem bei festlichen Anlässen wird jedes bißchen Goldschmuck angelegt, zum einem um mehr "Gesicht" zu haben, zum anderen um die anderen Frauen neidisch zu machen. Das bringt wesentlich mehr als die paar Prozent Zinsen, die man bekommen würde, wenn man statt dessen das Geld zur Bank tragen getragen hätte.

Aus dieser unterschiedlichen Einstellung zu den finanziellen Grundlagen des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau entsteht auch der größte Teil aller Probleme in thai-deutschen Ehen oder eheähnlichen Gemeinschaften. Man hat die liebevolle und zärtliche Traumfrau in Thailand getroffen, sie mit nach Deutschland genommen und jetzt beginnt das tägliche Zusammenleben. Das Mädchen hat einen nach ihrer Auffassung reichen Mann geheiratet. Denn wer soviel Geld für den Flug und ein teures Hotel ausgeben kann und sich auch im Schwung der ersten Liebe als nicht kleinlich zeigt, der muß eben reich sein, auch wenn er als lediger kleiner Angestellter monatlich vielleicht nur 1500 Euro netto nach Hause bringt. Das ist für Thai-Verhältnisse viel Geld; etwa soviel, wie ein höherer Staatsbeamter verdient.

Von diesem Geld muß in Deutschland nun aber nicht nur die Wohnungsmiete, der tägliche Lebensunterhalt, die Kleidung und evt. auch noch das Auto bezahlt werden. Die Frau hat auch die moralische Verpflichtung, ihrer Familie in Thailand regelmäßig etwas Geld zukommen zu lassen. Dazu kommen oft noch Unterhaltsverpflichtungen für ein oder gar mehrere Kinder von ihrem ehemaligen Thai-Mann, die sie bei der Oma in Thailand in Pension gelassen hat. Schickt sie kein Geld, hat sie vor ihrer Familie und den Nachbarn ihr Gesicht verloren, eine schlimme seelische Belastung für eine Thai-Frau alleine in der Fremde, wofür ihr deutscher Mann meist überhaupt kein Verständnis hat. Er hat vielleicht ein ganzes Jahr für die Reise nach Thailand gespart, hat viel Geld ausgegeben, um die Frau nach Deutschland zu holen, hat vielleicht auch den Eltern bei einem Besuch eine anständige Summe gezahlt, und ist nun der Meinung, sich finanziell weit genug aus dem Fenster gelegt zu haben.

Der Ehemann hat nun zunehmend das Gefühl, nur als Goldesel zu dienen und hat dann irgendwann mal die Nase voll. Dann gibt es den üblichen Ehekrach, bei dem es, wie übrigens auch bei deutschen Ehepaaren, meist ums Geld geht. Für die Thai-Frau geht es, wie aufgezeigt, aber zusätzlich um ihr Gesicht und um ihre verständlichen Versorgungsängste für sie und ihre in Thailand zurückgelassenen Kinder. Bei solchen ehelichen oder außerehelichen Auseinandersetzungen können Thai-Frauen, die solche Situationen von zu Hause ja bestens kennen, durchaus mithalten. Die Tatsache, daß man sich mangels ausreichender Sprachkenntnisse auf ein paar, dafür um so kräftigere Schimpfworte beschränken muß, tut der Sache keinen Abbruch; zusätzlich kann man ja noch in der eigenen Sprache nachlegen. Wenn der andere das auch nicht versteht, so erleichtert es einem doch wenigstens das Herz.

Geld gehört nun einmal zu einer funktionierenden Ehe, mindestens genauso wie Liebe, das ist letztlich in Deutschland so wie in Thailand. Darüber hinaus ist es aber für einen deutschen Mann natürlich besonders schwer, das Gefühlsleben seiner Thai-Frau zu verstehen. Zu den üblichen Problemen für jeden Mann, sich in der Denkweise einer Frau zurechtzufinden, kommt hier noch die durch den vollkommen unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergrund gegebene Art und Weise, familiäre und finanzielle Probleme anzugehen. Es wird ihm vor allem besonders hart ankommen, sich mit den finanziellen Forderungen seiner Thai-Frau abzufinden, die, wie er glaubt, ihn nur aus Liebe geheiratet hat und die ihm nun tagtäglich dafür dankbar sein müßte, daß er sie aus dem Sumpf herausgeholt hat.

Meine Frau hat mir diesen Sachverhalt einmal auf ihre Art klar gemacht. Als ich sie fragte, warum sie denn nun gerade bei mir hängen geblieben ist, ob wegen meines Geldes oder weil sie mich liebt, bekam ich die Antwort "Das ist doch eine ganz dumme und überflüssige Frage. Wenn du kein Geld hättest, könnte ich dich nicht lieben, denn wer würde dann für mich und meine Kinder sorgen. Aber wenn ich dich nicht lieben würde, dann könntest du soviel Geld haben wie du willst, dann würde ich nicht so lange mit dir zusammenleben."


© 2000, Günther Ruffert

Dieser Beitrag erschien im Original bei www.Thaifrau.de