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Sprachprobleme - Thaifrau.de

Von Günther Ruffert, Thailand

Reist man in einem fernen Land umher, so ist es immer von Vorteil, wenn man zumindest ein paar Worte der Landessprache spricht. Das gilt ganz besonders für Thailand, wo sich außerhalb Bangkoks und der Touristenzentren, die Englischkenntnisse der Einheimischen oft auf "hey you" beschränken, das einem von jedem zweiten Knirps auf der Straße fröhlich entgegengeschmettert wird.

Die paar Brocken Englisch, die alle Thais, die mit Touristen zu tun haben, sich so angeeignet haben, sind allerdings stark auf Thai gefärbt. Thais sprechen das "r" wie ein "l" und das "t" wie ein "s" aus; auch können sie nicht zwei Konsonanten hintereinander aussprechen, sie schieben immer einen Vokal dazwischen. So hört sich z. B. die Zahl "twenty" von einem Thai gesprochen wie "seventy" an. Wenn man mit einem Straßenverkäufer handelt, muß man also sehr genau aufpassen, was er nun meint.

Besser ist es natürlich, wenn man zumindest ein paar Worte Thai kann. Alleine schon deshalb, weil der Verkäufer oder Taxifahrer, mit dem man ja auch vor der Fahrt den Preis aushandeln muß, dann annehmen wird, daß man sich in Thailand auskennt und den geforderten Preis näher an den tatsächlich üblichen Preis heranrücken wird.

Nun ist die Thai-Sprache nicht besonders schwer zu lernen. Der Wortschatz der Umgangssprache, vor allem das, was man so als Tourist braucht, ist wesentlich kleiner und vor allem die Grammatik wesentlich einfacher als im Deutschen. Während es bei den Verben keine unterschiedlichen Endungen gibt, macht die richtige Betonung der Worte aber jedem Farang erhebliche Probleme. Das gleiche Wort kann, je nachdem wie es betont wird, fünf oder mehr verschiedene Bedeutungen haben. Nun freuen sich die Thais immer, wenn ein Farang versucht, ein paar Worte in ihrer Sprache zu radebrechen, und sehen auch über die Patzer die sich aus falscher Betonung ergeben - wenn meist auch mit viel Gekicher - gerne hinweg. Manchmal fällt es einem aber dennoch schwer, sich richtig verständlich zu machen.

Ich lag eines Tages mit meiner Thai-Frau unter einem Sonnenschirm am Strand von Pattaya, als zur Abwechslung mal außer den Obst- und Wasserverkäufern und den Typen, die den dummen Farangs buntes Glas als echte Edelsteine, und gelb eingefärbte Spatzen als exotische Kanarienvögel andrehen wollen, ein Junge mit einem stabilen Pferdchen den Strand entlang kam, das er den Gästen für einen kleinen Rundritt anbot. Da ich meiner neben mir im Liegestuhl dahin dösenden Perle etwas Gutes tun wollte, sah ich schnell in meinem Taschenwörterbuch nach, was reiten und Pferd auf Thai heißt, und fragte sie dann freundlich, ob sie "kie mah" (kie = reiten, mah = Pferd) wollte. Worauf sie mich entrüstet fragte, ob ich noch ganz bei Trost wäre. Das Wort "kie" heißt nämlich nicht nur reiten, sondern auch Dreck, Abfall oder das, was wir auf der Toilette mit der Wasserspülung in Richtung Kläranlage befördern. Hingegen heißt "mah" nicht nur Pferd, sondern auch Hund. Es kommt eben ganz auf die richtige Betonung an. Und so hatte ich mein Goldstück also tatsächlich mit der freundlichen Frage aus dem Schlummer geweckt, ob sie nicht ein bißchen Hundescheiße haben möchte.

Als ein Araber einmal an einem der unzähligen Straßenrestaurants Bangkoks auf eine der in der Auslage stehenden Schüsseln deutete, die ein zwar gut riechendes, aber undefinierbares gulaschähnliches Currygericht enthielt, wollte er sich zunächst überzeugen, ob darin auch kein für ihn als Jünger Allahs verbotenes Schweinefleisch enthalten sei. Der Thai - Verkäufer versicherte ihm aber mit freundlichem Grinsen, das sei "muh", worauf der Araber sich an den Tisch setzte und - in der Meinung Fleisch von einem "muh" machenden Rindvieh zu verzehren - sich die Sache schmecken ließ. Erst hinterher wurde er von einem Landsmann belehrt, daß "muh" auf Thai Schwein bedeutet. Allah wird ihm das Versehen aber sicher vergeben haben.

Aber auch mit dem Englischen kann man so seine Probleme haben, vor allem in kleinen Hotels und Gästehäusern außerhalb der Touristenzentren. Ich saß einmal in einem kleinen Hotel in Hatyai im Süden Thailands, als am Nebentisch eine schon etwas ältere Engländerin versuchte, sich zum Frühstück ein Omelett zu bestellen. Das Mädchen, das die Bestellung aufnahm, war wohl gerade erst vom Land importiert worden und verstand kein Wort Englisch. Jedenfalls wiederholte sie mit immer verzweifelt werdendem Gesichtsausdruck das ihr völlig fremde Wort so, wie sie es verstanden hatte: "omelete, amelete, omalete" usw. Bis plötzlich ein verstehendes Aufleuchten über ihr Gesicht ging "Aha, amalite" und sie davonschwebte. Die Engländerin wußte nicht, wie ihr geschah, als nach zwei Minuten die Perle schon wieder zurückkam und ihr mit freundlichen Lächeln eine große Flasche Amarit - das ist eins der gängigen Thai Biere - auf den Frühstückstisch stellte.

Wenn man aber die Thai Sprache einigermaßen versteht, kann man auch seinen Spaß haben, da Thais normalerweise davon ausgehen, daß kein Farang sie versteht und dann ganz ungeniert ihre Späße über ihn machen. Als ich mir einmal in einem der großen Kaufhäuser in Bangkok eine Unterhose kaufen wollte, ging alles was auf dem Ladentisch lag nur bis Größe M. Ich versuchte also der netten kleinen Verkäuferin klar zu machen, daß ich, als mit etwas größerem Leibesumfang gesegneter Farang, mindestens XL, besser noch XXL benötigte. Als nun das Mädchen der etwas weiter entfernt stehenden Abteilungsleiterin oder Oberverkäuferin zurief, ob sie diese Größen überhaupt hätten, rief diese zurück, sie hätten nur Unterhosen für Männer, nicht für Elefanten, worauf natürlich die ganze Clique umherstehender Verkäuferinnen in Gekicher ausbrach. Als ich dann aber der Dame in einigermaßen verständlichem Thai sagen konnte, was ich von ihrer Höflichkeit gegenüber Farang-Kunden hielte, schämte sie sich fast in den Boden und ich konnte die Stätte zwar ohne Unterhose, aber doch immerhin mit dem Gefühl verlassen, einen moralischen Sieg errungen zu haben.

Ein Bekannter, der etwas Thai sprach, wurde an der Bar von einem Mädchen, die wissen wollte ob es sich lohnte sich länger mit diesem Farang zu beschäftigen gefragt "you have madam in room?". Worauf dieser antwortete "no" I not like black dogs, I like girls". Auf Thai heißt nämlich dog "mah" und black "dam". Nach einigem Erstaunen der Mädchen an der Bar gab es aber ein großes Gelächter, und alle freuten sich über den Farang, der so gut Thai sprach.

Ein Problem für Farangs ergibt sich oft durch das Fehlen des Wortes "nein" in der Thai-Sprache. Am nächstem dem deutschen "nein" kommt noch der thailändische Ausdruck "mai chai", wörtlich übersetzt "nicht ja". Thais verneinen also höchst ungern eine Frage und sagen z.B. auf die Frage eines Farangs ob sich das gesuchte Hotel in dieser Straße befinde lieber "ja" als "ich weiß nicht". Das Fehlen des Wortes "nein" im Thai Wortschatz wird von einigen Landeskennern übrigens gerne als Grund für den offensichtlichen Mangel an Jungfrauen in bestimmten Landesteilen genannt.

Schwieriger als mit der Sprache ist es aber mit der Schrift. Das Thai-Alphabet kennt ca. 50 verschiedene Zeichen, die mit anderen uns bekannten Schriftzeichen keinerlei ähnlichkeit haben. Die Thailändische Schrift wird auch ausschließlich in Thailand und in keinem anderen Land benutzt. Im Laufe der Zeit haben viele Farangs, die länger in Thailand leben, gelernt sich mehr oder weniger auf Thai zu verständigen. Ich habe aber in meinen Jahren in Thailand noch kaum einen Farang getroffen, der auch die Thai-Schrift beherrscht hätte.


© 2000, Günther Ruffert

Dieser Beitrag erschien im Original bei www.Thaifrau.de