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Makabre Neugier

Von Günther Ruffert, Thailand

Ein Aspekt des Thai-Charakters, den wir Farangs oft als wunderlich, wenn nicht gar lästig empfinden, ist ihre durch keinerlei Diskretion gehemmte Neugier. Der Fremde wird schon nach 2 Minuten Bekanntschaft nach seinen persönlichsten Dingen befragt, z.B. wie viele Kinder er hat, und wieviel Geld er monatlich verdient. Was auch immer an den Dingen die der Farang bei sich hat, ob Kamera oder Reisetasche dem Thai in die Augen sticht, er wird gefragt, was das gekostet hat. Wenn irgendwo in der Nähe ein Unfall passiert, läßt jeder alles liegen und stehen und rennt zur Unfallstelle um zu sehen, was dort passiert ist.

Thais sind nicht nur neugierig, sie gruseln sich auch gerne. Was man bei den von uns gewöhnlich als sanftmütig gepriesenen Thais gar nicht erwarten würde, ist ihr Vergnügen an möglichst gruseligen, ja grausamsten Geschichten und Bildern. Je gruseliger es in einem Film oder einem Manga-Heft zugeht, und je grausamer und blutiger die Bilder in den Zeitungen sind, desto wohler kann man sich selber fühlen, und desto mehr kann man bei allem täglichen Elend froh darüber sein, daß man von solchen bösen Dingen verschont geblieben ist.

Bei Berichten über Unfälle und Katastrophen, insbesondere bei den häufigen Autounfällen, über die täglich in den Fernsehnachrichten berichtet wird, werden die Opfer und ihre Verletzungen immer in Großaufnahme gezeigt. Ja es gibt sogar spezielle, an allen Zeitungskiosken ausliegende und zu kaufende illustrierte Zeitschriften, in der nur Bilder von Ermordeten oder Unfalltoten zu sehen sind, und zwar mit den grausamsten Details. Da wimmelt es nur so von aus den Leichen herausragenden Messern, aufgeschlitzten Bäuchen, abgetrennten Körperteilen und natürlich Blut, viel Blut, kurz den grausigsten Details und dazu noch den entsprechenden Texten. Männer, Frauen und Kinder ziehen sich diesen Mist mit Begeisterung rein.

Aber wehe, ein Tourist wird dabei erwischt, einen Playboy oder dergleichen einzuführen, wo derart schreckliche Sachen wie schöne Frauen mit entblößten Brustwarzen oder, noch schlimmer, mit gespreizten Beinen zu sehen sind. Das gilt der Thai Zensur als pervers, nicht aber die Darstellung verstümmelter Leichen. Er muss also damit rechnen, daß solche staatsgefährdende Literatur beschlagnahmt wird, (und dann natürlich nicht vernichtet wird, sondern zur Unterhaltung der Zöllner dient).


© 2000, Günther Ruffert

Dieser Beitrag erschien im Original bei www.Thaifrau.de