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Kulturelle Probleme in Thailand - Thaifrau.de

Von Günther Ruffert, Thailand

Unter Kultur versteht man den Komplex von Verhaltensarten, der die Lebensart einer menschlichen Gesellschaft ausmacht. Das umfaßt nicht nur alles was mit Kunst oder Religion zu tun hat, sondern auch Eßgewohnheiten, Kleidung, Architektur, und vor allem auch Wertvorstellungen, Vorlieben und Aversionen, kurz alles das, was wir als Tradition bezeichnen.

Die Thailänder selbst haben kein Wort, das unserem Begriff 'Kultur' entspricht. Wenn Sie Thailänder bitten, ihre Kultur zu definieren, werden sie über Architektur, Nahrung, Tanz, Feste und dergleichen reden. Buddhismus, der zweifelsfrei einen großer Einfluß auf die thailändische Kultur hat, wird mehr oder weniger separat betrachtet. Trotzdem gibt es gewisse Aspekte der Thailändischen Gesellschaft, die jeder als thailändisches Kulturmerkzeichen ansieht, wie Tempel, Mönche, lächelnde Gesichter, Thai- Taenze, evt. auch die Art der Thais, das Leben leicht zu nehmen. Lebt er länger in Thailand, dann werden ihm auch andere, weniger positive Aspekte bewußt, die auch ein Teil der thailändischen Kultur sind, wie eine durch wenig moralische Bedenken gehemmte Geldgier, wenig Neigung die Wahrheit zu sagen und Problemen lieber auszuweichen als sich bemühen sie zu lösen, Rücksichtslosigkeit den Mitmenschen gegenüber, Korruption auf allen behördlichen Ebenen, und ein ausgeprägter Chauvinismus.

Die thailändische Kultur liegt im Wesentlichen in der Geschichte der thailändischen Wanderung durch Südostasien begründet. Basis der Thai Kultur sind die Lehren Buddhas, bzw. des Hinduismus, aus dem der Buddhismus hervorgegangen ist, und aus dem er viele Bestandteile übernommen hat. Ein wesentlicher Bestandteil der Thai Kultur, vor allem auf dem Lande, sind animistische Elemente, die von den Ureinwohnern des Landes übernommen wurden. Zu den Wurzeln der thailändischen Kultur zählen aber auch die Kontakte mit den Nachbarn des Landes, den Kambodschanern im Südosten, den Laoten im Nordosten, den Burmesen im Westen und den Malaien im Süden. Ihren Anteil beigetragen zur thailändischen Kultur haben auch die seit langen in Thailand wohnenden Minderheiten, also vor allem die Chinesen, Inder und Muslims. Praktisch gesehen hat sich aber heute jede ethnische Gruppe in Thailand, ob Thaiabstammung oder nicht, mehr oder weniger der Thai Kultur angepaßt.

Kultur als ein System von Gedanken und Verhalten einer Gesellschaft, ist etwas das dynamisch und nicht statisch ist. Es wäre paradox zu versuchen, eine Kultur vor ausländischen Einflüssen zu schützen, da Kulturen nicht in einem Vakuum existieren können. Kultur entwickelt sich natürlicherweise durch Einflüsse von außen. All das, was veraltet ist, wird von den Menschen verworfen, dagegen werden sie all das erhalten und es zu einem Teil ihrer Kultur machen was in ihrem Leben eine relevante Rolle spielt.

Neue Kommunikationstechnologien wie Radio, Fernsehen, und jetzt zunehmend auch das Internet, haben heute eine globale Welt geschaffen, in der jeder, auch im abgelegensten Dorf täglich mit den Kulturen anderer Länder in Kontakt kommt. Auch der Tourismus sorgt dafür, daß vor allem Menschen aus Entwicklungsländern in engen Kontakt zu Menschen aus industriell hochentwickelten Ländern kommen, und damit deren Kultur kennen lernen.

Die sich daraus ergebende Möglichkeit bzw. Neigung, Teile fremder Kultur die einem gefallen, oder ein schöneres Leben, versprechen kritiklos zu übernehmen, ist ein Grund für die Probleme mit denen Thailand heute fertig werden muß. Modelle aus den industrialisierten und im Spätkapitalismus lebenden Ländern, deren Bewohner zum größten Teil in Städten wohnen, wie eine arbeitsteilige Wirtschaft, der harte Konkurrenzkampf, die durch immense Kapitalansammlung bestimmte Finanzwirtschaft usw., wurden einfach kopiert, weil man der Meinung war, das ökonomische Modell, das diesen Ländern zu einem relativ hohen Lebensstandard verholfen hat, müßte auch Thailand sehr schnell auf dieses Niveau bringen.

Die Philosophie des "mehr Produzierens, mehr Verkaufens, und vor allem mehr Habens" wurde das Leitbild für die im wesentlichen noch agrar bestimmte, und politisch gesehen noch weitgehend hierarchisch geordnete Gesellschaft Thailands. Das industrielle, kapitalistische System wurde einfach kopiert, ohne Rücksicht auf die Bedeutung der kulturellen Gegebenheiten und Traditionen für das Wohlergehen eines Landes und seiner Bevölkerung.

Die übernahme von ungeeigneten Teilen fremder Kulturen hat die eigenständige Kultur der Thais geschwächt und zu für Anomalien geführt, die für das eigene Klima ungeeignet sind, wie z.B. Kleider die für ein anderes Klima passend sind, Nahrungsmittel die importiert werden müssen, und Wolkenkratzer aus Beton, die vor allem als Schutz gegen kalte Witterung konzipiert wurden. Sie hat auch negative Veränderungen des traditionellen Wertsystems zur Folge gehabt, wie ein hektischer Lebenswandel und vor allem eine überschätzung von Geldwert und Besitz. Thailand hat die falschen Dinge vom Westen kopiert, vor allem die schlechteren Teile des kapitalistischen Systems. Man hat die Konsumgewohnheiten des Westens übernommen, nicht aber die Produktivität, die diesen Konsum ermöglicht. Man schmückt sich mit Armbanduhren, hat aber nach wie vor keinen Sinn für Pünktlichkeit, oder für die Erwartung der Farangs, daß angegebene Termine auch eingehalten werden. Man erwartet von den reichen Farangs Geld, ohne bereit zu sein, dafür auch eine entsprechende Gegenleistung zu bringen.


© 2000, Günther Ruffert

Dieser Beitrag erschien im Original bei www.Thaifrau.de