Wie sie mir, so ich euch! - Wenn Retter zu Opfern werden -

Ein Artikel von Wolfgang Payer

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Oftmals habe ich in meinen Artikel geschrieben, welches finanzielle Desaster so manchem gutgläubigen Touristen in Thailand widerfahren ist. Meist, nachdem er eine holde Bar-Maid kennen gelernt hatte, sich unsterblich in sie verliebte und dann im schlimmsten Fall irgendwann den Weg zum Sozialamt antreten musste. Die Gnädigste hatte es geschickt verstanden ihn finanziell bis aufs letzte Hemd auszuziehen und machte wirklich nicht vorher halt, bis nichts mehr zu holen war um ihn dann mit seinen Schulden seinem weiteren Glück zu überlassen. Danach widmete sie sich dem nächsten zahlungswilligen Liebeskasper, von denen ja immer wieder reichlich Nachschub ins Land kommt. Aber um gerecht zu sein, muss an dieser Stelle auch mal über eine andere Seite der Ausbeutung von Touristen berichtet werden. Es sind nämlich nicht immer nur die lieben Thailänderinnen die es auf das Geld ihrer "Gäste" abgesehen haben, sondern in zunehmenden Maße auch unsere eigenen Landsleute, die es geschickt verstehen mit toll ausgedachten Stories oder auf der Mitleidsschiene an das liebe Geld ihrer Urlaubsfreundschaften zu kommen, wie die nachfolgende Geschichte zeigt:

Rolf lebt in einer deutschen Großstadt in bescheidenen Verhältnissen. Auf der Party eines Freundes lernt er Pen, eine in Deutschland verheiratete und attraktive Thai kennen. Ein paar verlockende Blicke genügen und schon hat Pen die volle Aufmerksamkeit von Rolf auf sich gezogen. Nach den Blicken folgt eine intensive Unterhaltung und es ist um Rolf geschehen. Er hat sich in Pen verliebt. Besonders angetan ist er von ihren hervorragend guten deutschen Sprachkenntnissen, da er weder Englisch noch Thai spricht. Es folgten weitere Tage an denen sich die beiden treffen und ihre Beziehung zueinander ausbauen, ohne das Rolf erfährt, das es noch einen deutschen Ehemann an Pens Seite gibt. Nach einigen Wochen des gemeinsamen Glücks in Deutschland und gelegentlichen Treffen für gewisse süße Stunden teilt Pen ihrem Lover mit, dass sie für längere Zeit zu ihren Eltern nach Thailand fliegen müsse, da es dort familiäre Schwierigkeiten gäbe. Wie nicht anders zu erwarten war, ist Rolf natürlich nicht begeistert, seine neue Flamme für einige Monate vermissen zu müssen. Da er aber nicht über genügend finanzielle Mittel verfügt um auch nach Thailand fliegen zu können, überlegt er, wie er diesen Umstand abändern kann. Kurzerhand macht er alles was er aus seinem kargen Besitz auftreiben kann zu Geld. Da dies natürlich nicht reicht, werden nach und nach Freunde und Bekannte aufgesucht um diese anzupumpen. Natürlich sagt er nichts von seinen Reiseplänen, sondern er bittet lediglich um eine kurzfristige Finanzspritze, um eine angeblich bevorstehende Sperrung seiner Stromversorgung abwenden zu können. Da er sich immer nur mit Gelegenheitsjobs mal hier und da über Wasser hält bekommt er natürlich nicht viel von seinen Kumpels, aber hier Hundert und da Hundert und woanders noch mal etwas. Auch seine Eltern werden mit falschen Versprechungen zur Kasse gebeten und so füllt sich nach und nach seine Reisekasse. Als er genügend beisammen hat berichtet er Pen von seinen Absichten sie zu begleiten. Pen stimmt zu, jedoch mit dem Hinweis, dass sie in Thailand viel zu erledigen hätte und sich deshalb nicht fortwährend um ihn kümmern könne. Rolf ist einverstanden. Zwar war er noch nie in Thailand aber irgendwie wird er das Kind schon schaukeln, da ja seine Herzallerliebste bei ihm ist. Er vertraut ihr uneingeschränkt. So erfährt sie natürlich auch nicht, mit welch geringen Mitteln er vorhat seinen auf Monate geplanten Urlaub anzutreten und genauso wenig weiß sie davon, dass er sich nur mit einem Einweg-Ticket auf die Reise macht. Natürlich vertraut Rolf darauf, dass seine große Liebe ihm schon irgendwie beistehen würde, und außerdem sei es ja noch eine lange Zeit bis er sich Gedanken um das Zurückkommen machen müsste. Also geht’s erstmal los auf die Reise.

Bei der Ankunft in Bangkok werden die beiden von einem Mann erwartet, der Rolf als Pen's Bruder vorgestellt wird. Darauf folgt erstmal ein hitziges Debakel, wovon Rolf natürlich kein Wort versteht, da er nicht Thai spricht. Fakt ist, dass am Gesichtesausdruck des Bruders unschwer zu erkennen ist, dass er nicht gerade froh darüber zu sein scheint, dass Pen in männlicher Begleitung angereist kommt. Mürrisch bringt er die beiden zum Haus von Pens Familie. Während der Fahrt dorthin wird zwischen Pen und ihrem Bruder weiterhin lautstark debattiert. Dort angekommen muss Rolf nach Pen's Aufforderung erstmals seinen Geldbeutel zücken und dem Bruder eine fürstliche Entlohnung für den Chauffeurdienst bezahlen. Da er keine Ahnung von den hiesigen Preisen hat scheinen ihm die 1.000 Baht (ca. 20 Euro) für die 30-minütige Fahrt durchaus angemessen. Nun sitzt er da auf dem Holzboden im Bretterhaus der Familie, umgeben von vielen fremden Gesichtern aller Altersklassen. Wer von denen nun zum Familienkreis von Pen gehört weiß er nicht, und vorgestellt wird ihm auch niemand. Dass die alte Frau Pens Mutter ist kann er sich ja gerade noch denken. Pen fragt ob er Hunger habe. Als er dieses bejaht hält sie erneut die Hand auf, damit er Geld für den Einkauf locker macht. 500 Baht sollten für den Anfang genügen, meint Pen. Sie geht mit einem der anwesenden größeren Kinder vor die Tür, drückt diesem 100 Baht in die Hand, schickt ihn zu den nahe liegenden Garküchen die sich am Straßenrand befinden und innerhalb von 15 Minuten stehen 6 verschiedene Gerichte auf dem Holzboden des Hauses. Für Rolf eine sehr abenteuerliche Angelegenheit, denn nicht eines der Gerichte entsprach seinen Vorstellungen. Die extreme Schärfe ließ ihn schon nach dem 1. Bissen seine Gesichtsfarbe in ein feuerfarbenes Rot übergehen. Bei der Verkostung der anderen Gerichte ergeht es ihm nicht anders. So beschränkt er sich auf den Genuss von einigen Weißkohlblättern und rohen Bohnen. Nach dem Essen fragt ihn Pen, wo Rolf denn wohnen möchte. Er gibt ihr zu verstehen, dass er für teure Hotels nicht genügend Mittel zur Verfügung hätte, da er ja beabsichtige einige Monate mit seinem Geld hier auszukommen. Pen wird klar, dass Rolf beabsichtige sich in ihrem Elternhaus einzunisten. Sie erklärt ihm, dass man für ihn weder ein eigenes Zimmer zur Verfügung habe, noch ein Bett auf dem er schlafen könne. Und das er und sie gemeinsam in einem Zimmer schlafen würde wäre sowieso unmöglich, da dies nicht den thailändischen Sitten von Keuschheit entspräche, da ja beide nicht miteinander verheiratet seien. Bettzeug für Rolf wäre auch nicht vorhanden. Also hält sie wiederum die Hand auf und der nächste Tausender geht in Pen's Besitz über. Wieder wird einer der herumstehenden Jugendlichen angeheuert ein Kissen und eine Wolldecke zu besorgen. Schon nach 5 Minuten steht der Halbwüchsige mit den gewünschten Sachen da. Sieht zwar nicht gerade nach Neuware aus was er da angeschleppt hat (wahrscheinlich vom Nachbarn geborgt), aber Rolf hält den Mund und ist zufrieden. Zum Abendessen darf er dann noch mal 500 Baht locker machen, obwohl er wie bereits zuvor selbst fast nichts davon zu essen vermag. Zum Durst stillen bekommt er kaltes Wasser gereicht. Die Kids die sich mit in der Runde befinden trinken genüsslich Cola. Rolf schweigt. Vor dem zu Bett gehen zeigt Pen ihm seinen Schlafplatz im gemeinsamen Aufenthaltsraum der Familie (ähnlich Wohnzimmer). Einen bequemen Sessel oder ein Sofa gibt es nicht, also darf er sich in einer Ecke mit seiner dünnen Decke und dem kleinen Kissen auf den nackten Holzboden legen. In einem der großen Schlafzimmer schläft Pens Mutter mit einigen Kindern und Enkelkindern, und in einem anderen kleinen Schlafzimmer schläft Pen mit ihrem Bruder, natürlich gemeinsam im weichen Bett! Da Rolf sehr hungrig ist und es auch nicht gewohnt ist auf einem harten Boden ohne weiche Unterlage zu schlafen, macht er natürlich kaum ein Auge zu. Spät in der Nacht vernimmt er gewisse Geräusche, die ihm sehr bekannt vorkommen und ihn nun erstrecht daran hindern doch noch einzuschlafen. Das Knarren eines Bettes und Keuchgeräusche dringen aus dem Zimmer in dem Pen mit ihrem Bruder schläft. Er steht vorsichtig auf und versucht durch einen Spalt in den dünnen Holzwänden einen Blick in das Zimmer zu werfen. Trotz Dunkelheit ist unschwer zu erkennen, wie Pen und ihr angeblicher Bruder einer sportlichen Betätigung nachgehen, wie sie eigentlich unter Geschwistern nicht üblich ist.

Nun hat es sich mit der Nachtruhe sowieso erledigt. Obwohl er wie aus allen Wolken fällt über die neue Erkenntnis, beschließt er sich ruhig und unauffällig zu verhalten, legt sich wieder hin und vernimmt noch eine geraume Zeit die Geräusche, die durch die Liebesspiele aus dem Nachbarzimmer zu seien Ohren dringen. Erst kurz vor Dämmerung fallen ihm vor lauter Ermüdung die Augen zu. Doch sein Schlaf währt nicht lange. Kurz nach Sonnenaufgang wird er durch Lautsprecheransagen wach, die von einem durch die Siedlung fahrenden fliegenden Händler gemacht werden, der so lautstark seine Waren anpreist, dass spätestens jetzt jeder senkrecht im Bett steht. Innerhalb kürzester Zeit geht es im Haus zu wie in einem Ameisenhaufen. Alles kommt nach und nach aus seinen Schlafnestern gekrochen und da Rolf ja im Aufenthaltszimmer der Familie seinen Schlafplatz hat, ist es nunmehr mit der Nachtruhe vorbei. Es dauert nicht lange und Pen kommt zu ihm. Sie fordert ihn erneut auf 500 Baht für Frühstück herauszurücken. Anstandslos gehorcht er. Erstmals bekommt Rolf eine Tasse Instant-Kaffee sowie eine sämige Reissuppe (Joke) mit etwas Hackfleisch, Ei und Gemüse, was ihm auch tatsächlich genießbar erscheint. Alle anderen essen das gleiche. Er wäre überrascht zu erfahren, dass solch eine Suppe gerade mal 20 Baht kostet und es müssten 25 Personen sitzen und essen um seine 500 Baht aufzubrauchen. Aber er weiß es ja nicht und so ist er erstmal zufrieden.

Im Laufe des Tages wendet sich Pen an ihn und fragt ihn, ob er nicht gerne etwas von Land und Leute kennen lernen möchte. Eigentlich würde Rolf lieber erstmal Pen auf die nächtlichen Vorfälle ansprechen und ihre Stellungnahme dazu hören, aber so wie es aussieht, würde er in jeden Fall den kürzeren ziehen, sollte es dann daraufhin zum Streit kommen. Pen würde ihn sicherlich aus dem Haus werfen. Er wäre er dann verloren. Das wenige Geld das er noch hat würde nicht mehr ausreichen um ein Rückflugticket davon zu besorgen. Also hält er lieber den Mund und geht auf Pens Angebot ein, mit ihm etwas vom Land kennen zu lernen.
Natürlich, wie der Zufall es will, hat Pens angeblicher Bruder und Stecher gerade einige Tage Zeit und erklärt sich deshalb gerne bereit, die beiden für einen geringen Unkostenbeitrag von täglich 3.000 Baht mit seinem Auto durch die Gegend zu chauffieren. Selbstverständlich gegen Vorkasse! Pen gibt Rolf zu verstehen, dass ein offiziell angeheuerter Chauffeur mit Wagen locker das Doppelte kosten würde. Dass aber dieser "supergünstige" Familienpreis schon um 100 Prozent vom eigentlichen Tarif überzogen war, konnte er nicht ahnen. Also machen sie sich auf den Weg. Da Rolf sich nicht auskennt, überlässt er Pen die Entscheidung wohin die täglichen Touren gehen sollen. Und natürlich werden die Routen so gelegt, dass Pen immer zufällig in Gegenden fährt, wo sie eine gute Freundin hat, die man bei dieser Gelegenheit ja gleich mal besuchen kann. Die anfallen Spesen für Benzin und Verpflegung sowie diverse Eintrittsgelder für ihn selbst, Pen und den Fahrer gehen natürlich extra noch mal zu Lasten seiner Reisekasse. Und kleine Gastgeschenke für die besuchten Freundinnen müssen auch von Rolf getragen werden. Und wenn dann Pen auf die Idee kommt eine ihrer Freundinnen abends zum Essen einzuladen, dass bezahlt auch Rolf dafür. Es dauert genau 2 Wochen dann ist Rolf pleite! Aus, ende vorbei. Keinen Baht mehr in der Tasche. Als Rolf seine Freundin über diese Umstände in Kenntnis setzt, ändert sich natürlich schlagartig ihr Verhalten ihm gegenüber. Sie fordert ihn lautstark auf das familiäre Haus zu verlassen und sich aus dem Staub zu machen. Als er Pen fragt, wohin er den gehen solle und wovon er denn leben solle bekam er zur Antwort, dass er sich besser vor Urlaubsantritt darüber Gedanken hätte machen sollen. Schließlich war es seine freie Entscheidung diese Reise anzutreten. Einzig allein Pen's Mutter hat ein Einsehen mit dem ausgebeuteten Rolf, denn sie weiß sehr gut, das Rolfs Geld nicht wirklich weg ist, sondern sich größtenteils noch in der Tasche ihrer lieben Tochter Pen befindet, die es in diesen Wochen geschickt verstanden hat ihn für jeden und alles bezahlen zu lassen und dafür bis zum 5-fachen des üblichen Preises zu kassieren. Also gewährt Pen's Mutter ihm noch für einige Tage freie Kost und Logis, um ihm Gelegenheit zu geben sich mit der Deutschen Botschaft in Bangkok in Verbindung zu setzten und eine Rückreise auf Staatskosten zu organisieren.

Kurze Zeit später treffen aus Deutschland Tom mit seiner thailändischen Freundin Ann ein. Ann, die eine jüngere Schwester von Pen ist, besucht natürlich erst einmal ihre Familie in Bangkok. Und so treffen Tom und Rolf erstmals aufeinander. Rolf scheint überglücklich zu sein einen Landsmann zu treffen. Nach und nach schildert Rolf ihm sein Dilemma und erklärt, dass er aber innerhalb der nächsten 7 bis 10 Tage Geld aus Deutschland erhalten würde, das es ihm bei der deutschen Botschaft gestattet wurde, einige Verwandte und Bekannte in Deutschland anzurufen, die ihm Geld schicken könnten. Da Tom seine Schwägerin in Spe Pen sehr gut kennt und weiß was für ein Luder sie ist, hat er natürlich für Rolf Misere echtes Verständnis. Er verspricht zu helfen. Aber erstmal klärt er Rolf auf, dass es sich bei Pens angeblichen Bruder tatsächlich um ihren thailändischen Ehemann handelt. Außerdem sei sie in Deutschland auch noch verheiratet, aber diese Ehe würde Pen nur aus rein finanziellen Beweggründen eingegangen sein, da dieser Mann ihr schließlich das Geld für ihre Thailandreisen und den monatlichen Unterhalt der Familie finanziert. Das Auto das Pens thailändischer Ehemann fährt, sei übrigens auch aus deutschen Mitteln gekauft worden. Rolf gehen die Augen auf. So langsam scheint er zu begreifen, dass er für Pen nur Mittel zum Zweck war. Ann und Tom verbringen die ersten beiden Tage auch im Haus der Familie. Das Zimmer, das vorher Pen mit ihrem Ehemann geteilt hatte, wird kurzerhand geräumt und den beiden Neuankömmlingen zur Verfügung gestellt. Von Moral plötzlich keine Spur mehr. Die beiden ausquartierten nisten sich im großen gemeinsamen Schlafzimmer der Familie ein, während Rolf weiterhin seinen Schlafplatz auf dem Boden des Gastraumes behält.

Nach 2 Tagen beschließen Tom und Ann weiter zu ziehen und ans Meer zu fahren. Rolf ist deutlich anzumerken, wie gern er sich ihnen anschließen würde. Da Ann sich sehr für das Verhalten ihrer Schwester schämt, bittet sie Tom darum, Rolf bis zum eintreffen seines Geldes aus Deutschland weiterzuhelfen. Also räumt Tom ihm einen kurzfristigen und zinslosen Kredit in Höhe von 15.000 Baht ein. Rolf scheint überglücklich. Kaum hat Pen mitbekommen dass Rolf wieder flüssig ist, bietet sie ihm an alleine mit ihm ans Meer zu fahren um endlich mal gemeinsamen Urlaub nur mit ihm machen zu können. Ohne Mutter, Bruder bzw. Ehemann etc. Doch ein gebranntes Kind scheut das Feuer. Er gibt Pen deutlich zu verstehen, dass er auf ihre überteuerten Reiseleiterdienste keinen Wert mehr lege und sich lieber ihrer Schwester und deren Freund anschließen würde. Pen schnaubt vor Wut, muss sich aber fügen.

Am Badeort angekommen mietet Rolf sich in das gleiche Hotel wie Ann und Tom ein. Sein erster Weg führt ihn in das Hotelrestaurant, wo er endlich mal wieder deutsche Speisen bestellen kann. Also wird erstmal richtig Reingehauen und Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln bestellt sowie ein paar Bier um den Frust der letzten Wochen runter zu spülen.
Als nächstes noch schnell ein Moped gemietet und ab geht’s auf Erkundungstour durch das nächtliche Pattaya. An diesem Tage bekommen Tom und Ann ihn nicht mehr zu Gesicht. Erst wieder am nächsten späten Vormittag, als er mit 2 hübschen Mädels aus dem Zimmer gewackelt kommt und die beiden erstmal großzügig zu deutschem Breakfast im Hotel-Restaurant einlädt. Anschließend noch jeder der Liebesdienerinnen je 1.000 Baht Taschengeld zugesteckt und weg sind sie wieder. Und so geht es auch die nächsten Tage weiter. Jeden Morgen kommt irgendeine andere Grazie aus Rolfs Zimmer gewackelt. Rolf macht auf Lebemann und spielt Wildsau. Nach genau 5 Tagen kommt er zu Tom und bittet ihn darum den Kredit zu erhöhen, da er ja morgen nach Bangkok zur Botschaft fahren wolle um sein Geld dort abzuholen. Und ohne Fahrgeld auch keine Möglichkeit der Kreditrückzahlung. Also lässt sich Tom breitschlagen und legt noch mal ein paar Tausender drauf. Wie versprochen macht sich Rolf am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe mit dem Taxi (!!!) auf den Weg ins knapp 3 Fahrstunden entfernte Bangkok. Am späten Nachmittag ist er wieder zurück und erklärt zu seinem Bedauern, dass das Geld zwar schön lange überwiesen, aber noch nicht auf dem versprochenen Hilfekonto der Botschaft eingetroffen sei. Er erzählt uns, so sagte man ihm auf der Botschaft, dass sicherlich Dienstag der kommenden Woche der Betrag zu seiner Verfügung stünde. Aha, also hieß es noch mal das Wochenende zu überbrücken um es am Dienstag erneut zu versuchen. Da die Taxikosten für die Hin- und Rücktour natürlich den Großteil des nachgeborgen Geldes verschlungen haben, bittet Rolf um eine letztmalige Kreditgewährung. Doch Tom beschließt nun der Verschwendungssucht von Rolf Einhalt zu gebieten und zahlt ihm täglich einen Betrag von 200 Baht für Essen und Trinken aus. Schluss mit dem rumgeschwoofe und rumgevögle auf Toms Kosten. Außerdem lässt er sich nun vorsichtshalber die bereits geflossenen Gelder schriftlich von Rolf bestätigen um so einen Nachweis für seine eingeräumten Kredite in der Hand zu haben. Da die Kosten für Rolfs Hotelzimmer ja auch noch offen sind, hofft Tom inständig, dass Rolfs Geld bald eintreffen werde, da er selbst gegenüber dem Hoteleigentümer als Bürge für die Begleichung von Rolfs Rechnung aufgetreten war.

Wieder mal ist es soweit und Rolf fährt nach Bangkok. Von Tom hat er sich erklären lassen wie der mit dem Bus nach Bangkok und von dort aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Botschaft gelangt. Dauert zwar länger und ist für Rolf auch unbequemer, aber Tom scheint dieser Weg der bessere zu sein als immer nur bündelweise Geld in Rolf zu pumpen. Am Abend kehrt Rolf wieder mit leeren Händen zurück und hat natürlich wieder eine Ausrede parat. Da der Absender in Deutschland versehentlich einen Zahlendreher in der Kontonummer eingebaut hatte, kam das Geld wieder zu ihm zurück. Natürlich wäre es bereits wieder neu angewiesen aber es würde sich noch um einige Tage verzögern.
Jetzt reicht es Tom. Er glaubt Rolf kein Wort mehr. Am nächsten Morgen steht Tom früh auf um bei der Deutschen Botschaft anzurufen und sich über den tatsächlichen Stand der Dinge zu erkundigen. Zwar verweigert man ihm erst aus Gründen des Datenschutzes die Auskunft, aber als er seinen Fall schildert, hat der Botschaftsangestellte ein Einsehen und ermahnt Tom dringend, seine Sponsorentätigkeit einzustellen, da definitiv kein Geld aus Deutschland zu erwarten wäre. Tom hat genug gehört. Er wendet sich an den Hotelbesitzer und bittet ihm um seine Mithilfe. Kurzerhand wird mit dem Zweitschlüssel Rolfs Zimmer geöffnet und er aus seinem noch süßen Schlaf und aus den Armen seiner Gespielin gerissen. Zu den neuen Erkenntnissen schweigt er erstmal. Die kleine Thai springt wie eine Furie aus dem Bett, zieht sich an und fordert von Rolf den versprochenen Obolus für ihre erbrachen Leistungen. Ein Griff in seine Tasche zeigt der Lady, dass sie sich von einem Halunken hat hereinlegen lassen. Die 60 Baht die er noch hat greift sie sich als Rückfahrgeld. Dann schwingt sie ihre Handtasche wie ein Cowboy sein Lasso, welche ihren Aufschlagpunkt voll in seinem Gesicht findet. Das nicht noch der schwere Jade-Aschenbecher und die Nachttischlampe auf seinem Schädel landen hat Rolf dem schnellen Eingreifen des Hotelbesitzers und Tom zu verdanken, die zwar weniger besorgt um Toms Schädel als vielmehr um die Zimmereinrichtung sind. Das Affentheater das sie nun aufführt genauer zu beschreiben erspare ich mir aus Zeitgründen. Wutschnaubend verlässt sie das Zimmer und gibt Rolf zu verstehen, dass er es ja nicht wagen sollte ihr noch mal unter die Augen zu treten, da er sonst die Bekanntschaft ihrer Brüder (wir Deutschen sagen Zuhälter dazu) machen würde. Als ihm klar wird, dass hier die Erde für ihn verbrannt ist und er ab sofort ein ungebetener Gast ist der sofort das Zimmer zu räumen hat, wendet er sich an Tom und fordert ihn auf, das von ihm geliehene Geld bei Anns Schwester Pen einzufordern, da sie ja schließlich diejenige war die ihn zuerst ausgenommen hat. Dass er nun das gleiche mit Tom getan hat sah er nur als gerecht an, denn schließlich sei Tom ja aufgrund seiner Beziehung zu Pens Schwester ein Teil dieser Familie, die für seinen finanziellen Untergang verantwortlich sei. Aha! Wie sie ihm, so er mir!

Tom wird klar, dass sein Vertrauen schändlich missbraucht wurde. Es dauert keine 10 Minuten und Tom sitzt draußen auf der Straße. Bedrückt zieht er von dannen. Auf den angefallenen Hotelkosten bleibt Tom natürlich auch sitzen. Dann ist erstmal Funkstille. Nach ca. 2 Wochen sieht Tom wie Rolf an einer Bar sitzt und genüsslich Bier konsumiert. In der Hoffnung, dass er auf irgendeine Art und Weise wieder zahlungsfähig geworden ist, spricht er ihn an und fordert seinen Schuldner auf seinen Kredit abzulösen. Doch mehr als ein Grinsen bekommt Tom nicht zu sehen. Rolf versichert, dass er weiterhin zahlungsunfähig wäre und es nur einem ihm wohlgesonnenen Gönner zu verdanken sei, dass er sich abends ein paar Bier leisten könne. Tom beschließt seine Ansprüche (insgesamt ca. 40.000 Baht) nach seiner Rückkehr in Deutschland über einen Rechtsanwalt geltend zu machen.

Wieder zurück in Deutschland kommt das große Erwachen für Tom. Er bringt schnell in Erfahrung, dass Rolf dort in einer runtergekommenen Bude von Sozialhilfe lebt und bereits mehrfach einen Offenbarungseid abgelegt hat. Würde Tom nun versuchen ebenfalls einen Titel gegen Rolf zu erwirken, müsste er die Kosten für Rechtsanwalt und Inkasso erstmal aus eigener Tasche vorfinanzieren. Aber die Chance innerhalb der nächsten Jahre sein Geld wieder zu sehen ist aussichtslos, da die Liste der bereits vorhandenen Gläubiger zu lang ist. Also entschließt sich Tom, den von Rolf erhaltenen Schuldschein aufzubewahren, damit ihn dieser immer wieder als Mahnmal daran erinnert, dass man mit dem verborgen von Geld auch an in scheinbare Not geratene Landsleute sehr vorsichtig sein sollte. Mit diesem Artikel will Tom anderen gutgläubigen Touristen die Augen öffnen und an sie appellieren ihre soziale Ader bezüglich Urlaubsbekanntschaften im Ausland auf ein Minimum zu beschränken. Wer sich dennoch tatsächlich berufen fühlt den Retter spielen zu müssen und einem in Not geratenen Unbekannten helfen zu wollen, sollte diesem einen geringen und für ihn verschmerzbaren Betrag als Spende zur Verfügung stellen und darauf hoffen, dass ihm diese gute Tat Pluspunkte auf einem himmlischen Konto einbringt. Denn wieder sehen wird er sein Geld wahrscheinlich eh nie wieder. Helft wenn ihr mögt soviel, dass es demjenigen möglich gemacht wird die Deutsche Botschaft aufzusuchen. Und diese wird dann dafür sorgen, dass der Unglücksrabe wieder schnellstmöglich in sein Heimatland zurückgeflogen wird. Mehr braucht und mehr solltet ihr nicht tun. Denn wer wirklich echt in Not ist, wird diese staatliche Hilfe gerne in Anspruch nehmen. Tut er das nicht, so könnt ihr davon ausgehen, dass es sich um einen Betrüger handelt, der sich auf Kosten anderer einen schönen Urlaub finanzieren lassen will.
Seit Tom dieser Reinfall passiert ist, haben ihn natürlich noch diverse andere Leute um überbrückungshilfen gebeten. Diese sind natürlich leer ausgegangen und das haben sie Rolf zu verdanken. Mag sein, dass der eine oder andere dabei war der tatsächlich die Absicht hatte das geborgte Geld wieder ordentlich zurück zu bezahlen, aber wer so wie Tom sich einmal die Finger kräftig verbrannt hat, scheut eben das Feuer.

Was ist aus Rolf geworden?

Rolf hat sich noch ein weiteres halbes Jahr ohne finanzielle Mittel und ohne Visum illegal in Thailand aufgehalten. Er schlug sich mit kleinen Gaunereien und Gelegenheitsarbeiten u. A. auch auf Reisfeldern durch und verdienste sich so wenigstens seinen täglichen Teller Reis. Per Anhalter reiste er kreuz und quer durchs Land, da er sich nirgendwo lange aufhalten konnte, nachdem es ihm gelungen war, noch diverse andere gutgläubige Menschen (u. A. auch Thais) mit seiner Mitleidsmasche um den Finger wickeln zu können. Und da nicht alle Gläubiger sich wie Tom aufs hinauswerfen beschränken, sondern gern auch mal mit Gewalt ihrer Forderung Nachdruck verleihen, musste er sehr oft seinen Aufenthaltsort wechseln, wenn er verhindern wollte, dass man seinen Kadaver irgendwann mal aus irgendeinem Kanal zieht. Das ging so lange, bis er von einer Polizeistreife in Bangkok aufgegriffen wurde, da er sich nicht ausweisen konnte. Bei der Durchsuchung seiner persönlichen Sachen wurde jedenfalls kein Pass gefunden. Erst nach seiner Verhaftung und Kontaktaufnahme mit der deutschen Botschaft kam heraus, dass er seinen Pass mit dem abgelaufenen Visum vernichtet hatte. Rolfs Name und Gesicht war ja bei der Deutschen Botschaft bestens bekannt. So durfte erst einmal einige Wochen Bekanntschaft mit den thailändischen Haftbedingungen machen, bis er dann endlich von einem Gericht zu einer Strafe wegen Visavergehens verurteilt wurde. Nachdem ihm die Deutsche Botschaft Ersatzpapiere ausgestellt hatte, wurde er auf Staatskosten nach Deutschland abgeschoben. Und da so eine Abschiebung nicht mit einem billigen Neckermann Charterflieger erfolgt, sondern mit Lufthansa Linienflug, werden die Kosten dafür dem lieben Rolf nach seiner Rückkehr auch noch in Rechnung gestellt.

Seine Freunde in Deutschland, die inzwischen erfahren haben, dass er ihr Geld nicht für die Begleichung einer Stromrechnung, sondern für seinen Thailandurlaub verprasst hatte, dürften sicherlich auch nicht ganz gut auf ihn zu sprechen sein. Ich vermute, er wird sich ganz gut verkriechen müssen, wenn er nicht gefunden werden will.

 

© 2004, Wolfgang Payer

Wolfgang Payer betreibt in Pattaya eine Sprachschule, Kochschule und ein Apartmenthaus (nicht nur für seine Schüler). Hier findet ihr Infos zu seinen Deutsch-Sprachkursen (u.a. Start Deutsch 1, A1-Goethe-Test) sowie Thai- und Englischkurse für Deutschsprachige und Thais.

Dieser Beitrag erschien im Original bei www.Thaifrau.de