Verkehr in Thailand


Ein Artikel von Günther Ruffert, Thailand

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Hier muß man zunächst unterscheiden zwischen den Verkehrsverhältnissen in der Hauptstadt Bangkok mit mehr als 8 Millionen Einwohnern, und den Verhältnissen außerhalb der Metropole. Bangkoks heutiger Verkehr ist ein Alptraum, eine Weltmetropole, die sich dem Kollaps nähert. Vielen die zum ersten Mal nach Thailand kommen, werden die ersten Tage in Bangkok vorkommen, wie die letzten Stunden auf der Titanic, sie sind das reine Chaos. Der Traum vom Venedig des Ostens ist auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel schnell verflogen. Autos und abermals Autos, die in langen Staus stehen und aus ihren Auspuffrohren Unmengen Abgase in die Luft jagen.

In Bangkok sind über 2 Millionen Privatwagen zugelassen und monatlich kommen rund 30.000 Zulassungen hinzu, davon mehr als die Hälfte Privatwagen. Das Straßennetz der Stadt reicht für diesen Fahrzeugansturm bei weitem nicht aus. Zur "Rush-hour" - die dauert so ungefähr von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends - bewegt sich in der Innenstadt der Verkehr meist nur mit Schrittgeschwindigkeit. Lediglich die an jeder größeren Straßenecke auf Kunden wartenden Taximotorräder bieten dann noch eine Möglichkeit, schneller weiterzukommen, da deren Fahrer bei verstopften Straßen einfach über die Fußgängerwege brausen Dabei gefährden sie dann natürlich die Fußgänger, welche schon auf die vielen Löcher im Bürgersteig und auf tief hängende Reklameschilder der Geschäfte achten müssen, die meist nur auf Thai- und nicht auf Farang-Körpergrößen abgestellt sind.

Das einzige positive, was man über den Straßenverkehr in Bangkok sagen kann, ist der Umstand, daß trotz des unglaublich dichten Verkehrs, der oft wenig verkehrstüchtigen Fahrzeuge, und der auf Verkehrsregeln wenig Rücksicht nehmenden Fahrweise der Thais, schwere Verkehrsunfälle relativ selten sind, weil eben auch die schlimmsten Raser nur im Schrittempo vorwärts kommen.

Es gibt eine ganze Reihe von Transportmitteln in Bangkok, denen man sich bedienen kann, wenn man nicht riskiert sich mit dem eigenen Fahrzeug in den Verkehr zu stürzen. Da sind zunächst einmal die nach ihrem knatternden Motorgeräusch benannten Tuk-Tuks, auch Samlor (Dreirad) genannt. Sie sind die lautesten Fahrzeuge auf Bangkoks Straßen, aber flink und günstig. Die Fahrer der Tuk-Tuks zwängen sich durch Verkehrslücken die enger sind als ihre eigenen Außenabmessungen, und erschließen sich im dahinschleichenden Straßenverkehr immer neue Fahrspuren. Der Preis muß aber immer vorher ausgehandelt werden, und hier ist wirklich handeln angebracht, denn die Tuk-Tuk-Fahrer versuchen jeden Farang schamlos auszunehmen. Tuk-Tuks sind als Verkehrsmittel zwar nicht billiger als Taxis, aber man hat "frische" Luft, da das Gefährt ringsum offen ist, und kann dazu noch alle Gefahren des irrsinnigen Bangkoker Straßenverkehrs im wörtlichen Sinne hautnah erleben. Eigentlich hatten die Stadtplaner vor, die Tuk-Tuk von den Straßen zu verbannen, was sicherlich die Umwelt schonen und die Verkehrssituation etwas auflockern würde. Dies stieß aber auf massiven Protest der Bevölkerung, die auf dieses günstige Transportmittel nicht verzichten wollte.

Die früher allein das Straßenbild Bangkoks beherrschenden Tuk-Tuks wurden in den letzten 10 Jahren zunehmend durch Taxis verdrängt, die auf dem Dach das Schild "Taximeter" haben. Sie haben keine vorgeschriebene feste Standplätze, sondern kurven unentwegt durch die Straßen, und man kann sie mit einem Wink stoppen. Man sollte allerdings darauf achten, daß der Fahrer das Taximeter einschaltet, da er sonst bei Ankunft den mehrfachen Fahrpreis verlangt. Auch ist es nicht ratsam, das Angebot von Leuten anzunehmen, die am Flughafen oder den großen Busbahnhöfen den Reisenden Taxis anpreisen. Sie nehmen immer Irrsinnspreise, so daß es wesentlich billiger ist, zu einem Taxistand zu gehen, oder ein paar Schritte auf die Straße zu laufen, und dort ein Taxi anzuhalten.

Busse leisten die meiste Arbeit, um die Millionenbevölkerung zu transportieren. Sie sind das günstigste Transportmittel überhaupt. Wer nicht an den großen Busbahnhöfen einsteigt, sondern mitten im Verkehrsgewühl in einen Bus einsteigen will, braucht allerdings viel Geschick, und vor allem Durchsetzungsvermögen und Schnelligkeit, um solch einen Bus zu erwischen, da die meisten Busse überfüllt sind, und Rücksichtnahme Fremden gegenüber für den Thai ein unbekannter Begriff ist. Sollte man einen Bus erwischen und erst einmal drin sein, so muß bedacht werden, daß man ja auch noch irgendwann und irgendwo aussteigen muss, und sich deshalb also möglichst nicht zu weit von der Tür entfernen.

Nach vielen Jahren Bauzeit wurde 1999 in Bangkok auch die Elektrische Hochbahn fertiggestellt. Die Trassen, die über wichtige Hauptverkehrsstraßen Bangkoks führen, gehören allerdings nicht gerade zu den attraktiven Blickpunkten der Hauptstadt. Zur Zeit umfaßt die Strecke ca. 23 km und deckt dabei nur einen Teil der Innenstadt ab. Der Betrieb ist von 6.00 - 24.00 Uhr. Der Skytrain hat aber nicht viel zur Entlastung des Straßenverkehrs beigetragen. Bei einem Fahrpreis von 15 - 40 Baht pro Strecke ziehen viele Einwohner den Bus, oder sogar das Taxi vor, was sich insbesondere bei mehreren Personen lohnt.

Was nun die Fernverkehrsverbindungen im Lande betrifft, so sind sie für ein Entwicklungsland und vor allem für Thais - ansonsten nicht gerade Muster an Verläßlichkeit und Berechenbarkeit - erstaunlich gut und zuverlässig. Flugzeuge, Eisenbahnen und Fernbusse verkehren häufig, sind pünktlich und nach unseren Maßstäben relativ billig. Dies gilt vor allem für die Fahrt mit den Reisebussen, die von mehreren großen Busbahnhöfen in Bangkok mehrmals täglich sternförmig in alle Gebiete Thailands fahren, wobei vor allem in Nord-Südrichtung erhebliche Distanzen, zum Teil über 1000 km zu überwinden sind. Bangkok hat für jede Fahrtrichtung einen Busbahnhof. So gibt es den North/Northeast-Terminal für Fahrten nach Nord- und Nordost-Thailand, den South-Terminal für Fahrten nach Südthailand und den East-Terminal für Fahrten nach Ost-Thailand. Es gibt feste Abfahrtszeiten und je nach Entfernung teilweise auch verschiedene Kategorien von Bussen.

Die Sitzreihen der Busse sind allerdings für die körperlich kleinen Thais und nicht für die langen Beine der Farangs konzipiert, so daß eine 10 - 15 stündige Fahrt schon zur Strapaze werden kann. Dafür werden aber in den Bussen von Stewardessen Getränke und Snacks angeboten, und alle paar Stunden wird an einem Rasthaus eine Pause eingelegt, so daß man sich etwas die Beine vertreten und zur Toilette gehen kann.

Die Busfahrer allerdings oft verhinderte Rennfahrer, und versuchen auf den überlandstrecken ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr und den Zustand der Reifen und Bremsen ihres Gefährts alles herauszuholen, was die Fahrzeuge hergeben. Wenn sie ihre lautstarken Signalhörner ertönen lassen, verdrücken sich die anderen Verkehrsteilnehmer schleunigst an den Straßenrand. Dazu sind die Fahrer noch oft übermüdet, da sie die langen Strecken in einem Zuge ohne Ersatzfahrer bewältigen müssen. Sie sitzen dann nicht selten 15 Stunden und mehr ununterbrochen am Steuer und schlucken Aufputschmittel um durchzuhalten. Das gilt noch mehr für die LKW-Fahrer, die sich - obwohl unter Strafe stehend - an jeder Tankstelle mit den nötigen Tabletten versorgen können. So kann man dann regelmäßig in den Zeitungen von schweren Verkehrsunfällen lesen, an denen meist Lkws oder Busse beteiligt waren, und bei denen es oft nicht ohne eine Reihe von Toten abgeht.

Grundsätzlich wird jeder Thai-Fahrer eines an einem Unfall beteiligten Fahrzeugs das Weite suchen, sofern er noch irgendwie davonhumpeln kann. Warum das so ist, kann einem niemand erklären. Es gibt in Thailand weder ein Gesetz, wonach schuldige Fahrer auf der Stelle zu exekutieren sind, noch werden sie von der Polizei etwa mißhandelt. Es hat wohl etwas mit dem allgemeinen Widerstreben der Thais zu tun, sich mit unangenehmen Geschichten auseinander zu setzen.

Weniger riskant ist die Reise mit der Eisenbahn. Hier kann man wenigstens sicher sein, daß einem in der Gegenrichtung kein schwerer, mit mehreren Tonnen Betonpfählen überladener Laster entgegenkommt. Besonders schnell sind die Züge, die alle auf Schmalspurgleisen fahren, allerdings nicht. Wenn ein Zug mit über 40 km/h fährt, steht er schon als "Rapid" im Fahrplan, und wenn er nicht an jeder, sondern nur an jeder dritten Station hält, ist es ein "Expreß". Man kommt aber über lange Strecken nicht nur sicher und pünktlich ans Ziel, sondern hat auch eine Menge Abwechslung während der Fahrt. Während der Bahnfahrt bewegt sich ein Strom von Verkäufern durch den Mittelgang, die einem von gekochten Maiskolben und gebratenen Hähnchenkeulen, bis zu Bier und Schnaps alles anbieten, was man so für sein leibliches Wohl braucht. Insbesondere die Bierverkäufer können gar nicht verstehen, daß ein Farang auch mal drei Stunden ohne eine Flasche Bier auskommen kann und bieten immer wieder ihre Flaschen oder Dosen an. An jeder Haltestation entwickelt sich dann ein regelrechter Marktbetrieb auf dem Bahnsteig. Eine Menge Leute rennen mit ihrem zum Verkauf angebotenen Eß- oder Trinkbaren am Zug auf und ab und versuchen, während der drei Minuten Aufenthalt durchs Zugfenster Geschäfte zu machen.

Auf dem Land gibt es in den Städten auch noch richtige Fahrradrischkas, auf denen sich ein armer Hund abstrampelt, um die Fahrgäste durch die Gegend zu ziehen. Obwohl mir die Rischkafahrer immer leid tun, hat man in manchen Städten, z. B. in Surin, dem Tor zum Nordosten, gar keine andere Möglichkeit, mit seinem Gepäck vom Busbahnhof zu einem Hotel zu kommen, als in solch ein Vehikel zu klettern. Außerdem ist dem armen Kerl, der ja in dieser Gegend oft gar keine andere Möglichkeit hat, für den Unterhalt seiner Familie Geld zu verdienen, auch nicht damit geholfen, wenn man aus Mitleid darauf verzichtet, seine Dienste in Anspruch zu nehmen.

Für die Farangs die sich selbst motorisiert in den Straßenverkehr wagen ist in jedem Falle Vorsicht geboten. Hier fahren Achtjährige und Achtzigjährige mit ihren Motorbykes herum, und keiner hat je eine Fahrschule besucht oder einen Fuehrerschein gemacht. Wer den thailändischen Straßenverkehr unversehrt überstehen will, für den gilt es auch hier, sich so weit als möglich den thailändischen Gegebenheiten und Mentalitäten anzupassen. Vorsicht ist vor allem bei Ampeln an Sraßenkreuzungen geboten. Rot bedeutet zwar auch in Thailand Stop, aber wenn kein Polizist in der Nähe ist und es die Verkehrssituation zuläßt, kann Rot aber auch freie Fahrt bedeuten. Gelb ist im Grunde genommen eher wie Grün zu bewerten, und bedeutet ebenfalls freie Fahrt. Falls ein unerfahrener Farang bei Gelb in die Bremsen steigt, so darf er sich nicht wundern, wenn es hinten kracht. Kein Thai hat damit gerechnet, daß er bei Gelb abbremst. Der Farang hat also den Verkehrsfluß gefährdet, und damit die Schuld an dem Unfall. Interessant ist, daß bei manchen Ampeln kein Gelb angezeigt wird. Der plötzliche Wechsel von Rot auf Grün, kann bei dem Farang-Autofahrer einen reflexartigen Tritt aufs Gaspedal auslösen. Letztlich gibt es nur zwei Haltesignale, die allgemein akzeptiert werden: Verkehrspolizisten, die mitten auf einer Kreuzung stehen, und der alltägliche Stau auf Bangkoks Straßen.

Besondere Vorsicht ist für die Farangs auch bei der Benutzung von Motorrädern oder Mopeds geboten. Wenn er auf solch ein Motorrad klettert, das in Pattaya oder Phuket überall am Straßenrand zu mieten ist, sollte er sich darüber klar sein, daß die Maschine wahrscheinlich vor ihm schon von hundert anderen Farangs malträtiert worden ist, und seine Fahrweise entsprechend einrichten. Kommt es zu einem Unfall an dem ein Thai beteiligt ist, so ist unweigerlich der Farang schuld, und hat hoffentlich genug Geld, um Motorradreparatur und Schmerzensgeld für den Thai, nicht zu vergessen das Tee-Money für die Polizisten, zu bezahlen. Thais, die als Zeugen des Unfalls den Farang entlasten könnten, gebietet es das nationale Selbstverständnis ihre Zeugenaussagen so zu machen, daß ihr Landsmann gut wegkommt. Wenn ein Farang mit seinem Motorrad einen Unfall mit einem Thai-Verkehrsteilnehmer hat, wird er deshalb - falls er diesem nicht erkennbare Selbstmordabsichten nachweisen kann - nicht um das Zahlen eines erheblichen Betrags herumkommen. Falls es ihm nicht gelingt die Sache an Ort und Stelle zu regeln, bleibt dann erst mal auf der Polizeistation, oder sein Paß wird solange eingezogen, bis er die eventuell fällige Strafe, nebst Tee-Money für die Polizei und eine Entschädigung für den thailändischen Unfallbeteiligten bezahlt hat. Natürlich wird hier dann die Möglichkeit, von einem "reichen" Farang zu kassieren, voll ausnutzt. Thais sind der Meinung, daß der Farang grundsätzlich immer schuld ist, denn wäre er zu Hause geblieben, dann wäre der Unfall nicht passiert. Eine etwa bestehende Versicherung kann man als Farang vergessen. Es erfordert eine Unmenge Papierkrieg und mehrere Monate, um berechtigte Versicherungsansprüche ausbezahlt zu bekommen



© 2001, Günther Ruffert

Ruffert

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Günther Rufferts neues Werk FARANG in THAILAND (ISBN 3-929403-12-9)
ist im September 2002 im Heller Verlag Verlag erschienen.

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